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Der Narr

“Ja bist du denn narrisch?” Wer aus dem südbayerischen Raum kommt, wird diese Redensart kennen. Allen anderen sei gesagt, dass sich der Fragende hierbei um den Geisteszustand seines Gegenüber sorgt. narrisch, ein Adjektiv, dass sich von Narr ableitet. Aber was ist eigentlich ein Narr ?

Ursprung im Mittelalter

Im Mittelalter gab es Narren an königlichen Höfen, die fester Bestandteil des Hofstaates waren. Der so genannte Hofnarr, nahm bereits durch sein auffälliges Äußeres eine Sonderstellung ein. Auf alten Gemälden wird oft mit bunten Kleidern und einer Gugel abgebildeteine Mütze mit mehreren Zipfeln, deren Enden mit kleinen Glöckchen oder Schellen besetzt sind. Auch die spitz zulaufenden Schuhe waren an ihren Vorderseite mit Schellen versehen. Der Hofnarr hatte die Aufgabe, den König zu unterhalten und zu belustigen. Besonders kleinwüchsige Menschen, die aufgrund ihrer Statur bereits eine gewisse Komik bargen, waren hierfür prädestiniert.

Typisch für den mittlealterlichen Hofnarr waren bunte, spitz zulaufende Schuhe mit Glocken und Schellen.

Typisch für den mittlealterlichen Hofnarr waren bunte, spitz zulaufende Schuhe mit Glocken und Schellen.

Einer der bekanntesten Narren der Geschichte war Till Eulenspiegel; der Titelheld eines im 15. Jahrhundert verfassten Volksbuches. In dem anonym verfassten Werk wird die Figur des Till als schlau und intelligent beschrieben, und deshalb nur vorgibt, ein Narr zu sein. Die Streiche des Till Eulenspiegel bestehen zumeist daraus, bildlich gemeinte Redewendungen wörtlich zu nehmen und auszuführen (“Jemanden den Pelz waschen”).
Noch am Anfang des 20.Jahrhunderts wurden geistig behinderte Menschen als Narren bezeichnet und demzufolge psychatrische Kliniken als “Narrenanstalten”. Nach heutiger Sicht, ist diese Verwendung allerdings ethisch nicht korrekt und somit nicht mehr gebräuchlich.

Der Narr in der heutigen Zeit

Heute wird der Narr fast ausschließlich mit dem Karneval in Verbindung gebracht. In der so genannten “närrischen Zeit” greift man das Privileg des Hofnarren auf, unbedarft seine Meinung zu sagen, oder Kritik üben zu dürfen.
Die heute im Karneval bei Elferräten gebräuchliche Kopfbedeckung, ist in ihrer Ausgestaltung eine klare Reminiszenz an die mittelalterlichen Narrenkappe.
Auch in Sprichwörtern und Redensarten kommt der Narrenbegriff noch häufig vor. Der Satz “Narrenhände beschmieren Tisch und Wände” geht auf ein Gedicht von Friedrich Nietzsche zurück und beschreibt abwertend illegal angebrachte Schmierereien oder Graffiti.